Transalp – die Tour

In 7 Tagen über die Alpen. Nach einem Jahr Planung, Vorfreude und ungezählter Trainingsrunden war es soweit. Wir starteten mit dem Zug Richtung Tegernsee wo unsere etwa 500 km lange Tour mit 11000 hm beginnen sollte. Eine Übersichtskarte zur Tour findet man hier.

Etappe 1: Einrollen im Regen | von Tegernsee nach Brixlegg

Nach etwa 3 Stunden Zugfahrt die erste Enttäuschung: Es regnet! So mussten wir gleich zu Beginn der Tour im Rucksack wühlen und uns dem Wetter anpassen. Die erste Etappe führte dann von Tegernsee durchs Valepptal über schlammige Trails nach Brixlegg. Hier war eine Übernachtung in der Bayreuther Hütte geplant. Da aber inzwischen aus dem Dauerregen ein Sommergewitter geworden ist, mussten wir uns eine Alternative im Tal suchen.

Etappe 2: Im Regen Richtung Pfitscherjoch | Brixlegg – Schlegeisspeicher

Die Klamotten vom Vortag waren nur kurz trocken denn auch der zweite Tag begann mit Regen. Der erste Teil der Etappe war, bis auf das Nass von oben, unspektakulär.

Wir rollten bis zum frühen Nachmittag durch den Regen bis wir den Aufstieg zum Schlegeisspeicher erreichten. Hier wurden die Niederschläge dann mit jeden gefahrenen Höhenmeter weniger. Die Wolkendecke riss später sogar auf und wir konnten die ersten Sonnenstrahlen der Tour bei einer Pause genießen. Am Speicher angekommen war glücklicherweise noch ein 3 Bett Zimmer anstelle des reservierten Matrazenlagers frei. So hatten wir genügend Platz für das Waschen und Trocknen unserer Kleidung.

Etappe 3: Schneegraupel auf 1800 m | Schlegeisspeicher – Albeins

Am dritten Tag wachten wir bei Eiseskälte in unserem Zimmer am Schlegeisspeicher auf. Wir frühstücken, und machten uns bei 2 Grad auf Weg zum Pfiterscher Joch. Der Aufstieg kostete viel Kraft. Tragepassagen, rutschige Pfade und irgendwann schlug der Graupel in feine Schneeflocken um. Auf 2200 Metern Höhe war der Höchste Punkt erreicht und wir stürzten uns in die Abfahrt ins Pfitscher Tal. Unten angekommen durften wir endlich mit dem Wetter die Kleidung wechseln. Es wurde sonnig und wir konnten in kurzen Hosen, durch idyllische Landschaft Richtung Albeins, unserem Etappenziel fahren.

Etappe 4: Höhenmeter müssen her | Albeins – St. Ulrich

Bei herrlichem Bikerwetter starteten wir die wohl anspruchsvollste Etappe der Tour. Anstieg durch den Wald Richtung Vilnöss, weiter nach Zans, Dussleralm, St. Magdalena und ein noch steilerer Anstieg zur Neuen Gschnagenhardt Alm. Von hier weiter über den Höhenweg mit Trage- und Schiebepassagen zur Brogles Alm. Es folgte noch ein kurzer, aber endloser erscheinender Anstieg über von Kühen gedüngten Weiden ehe es auf alten Militärstraßen (mit Panorama das für alles entschädigte) über Saltner, Raschötzhütte, Furnes runter nach St. Ulrich ging.

Etappe 5: Von der Seiser Alm in die Sackgasse | St. Ulrich – St. Zyprian

Die Hälfte der Tour lag hier hinter uns und nach der schon rituellen Gesäß- und Bikepflege nach dem Frühstück arbeiteten wir uns bei Sonnenschein durchs Grödnertal hoch zur Seiser Alm. Die schönste Hochalm Europas erreichten wir gegen Mittag – mit gefühlten 5000 weiteren Touristen. Bei der anschließenden Abfahrt passierte das Malheur: Wir verpassten den Warnton unserer GPS Geräte und den Abbiegepunkt. Da wir nicht mehr zurück fahren wollten, versuchten wir durch ein Waldstück wieder zurück auf unsere Route zu gelangen. Hier haben wir beim Tragen, Schieben und überqueren von Weidezäunen Zeit und vor allem wertvolle Kraft verloren die wir auf den letzten steilen Kilometern nach St. Zyprian so sehr gebraucht hätten.

Etappe 6: Hitze, 2 Pässe und die Höhenmeter der Vortage in den Beinen | St. Zyprian – Montan

Die vorletzte Etappe lies uns keine Zeit zum Einrollen. Nach nicht einmal 3 Kilometern hingen wir im ersten Berg. Die Beine waren schwach von den Höhenmetern der vergangenen Tage und die Hitze wurde von Minute zu Minute stärker. Die Etappe mit ihren 1600 Höhenmetern war eine Arbeitsetappe. Wir arbeiteten Niger- und Karerpass fleissig ab ehe wir am Nachmittag mit der längsten Abfahrt der Tour belohnt wurden. Über das Jochgrimm (1989m) ging es über einen Mix aus Trails, Schotterpisten und einer ehemaligen Bahnstrecke zur letzten Übernachtung in Etschtal nach Montan (497m).

Etappe 7: Hitze, Finale und immer geradeaus | Montan – Riva del Garda

Die letzte Etappe war reine Fleißarbeit. Es standen etwa 120 km (dafür nur 800 hm) nach Riva del Garda und dann Malcesine an. Diese Etappe entwickelte sich zu einem Kampf gegen den „inneren Schweinehund“. Es gab keinen Gipfel zu erklettern, keine Abfahrt zu meistern. Stattdessen verlief die Route fast ausschließlich auf einem asphaltierten Radweg geradeaus. Die Hitze der Vortage schien lächerlich gegen die brennende Sonne an diesem Tag. Durch die ständig gleichbleibende Sitzposition nahmen wir, überraschender Weise zum ersten Mal auf dieser Tour, Sitzpolster und Sattel zur Kenntnis. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft. Erleichtert und Fix und Fertig von den Strapazen der letzten Tage haben wir gegen Nachmittag den Gardasee erreicht und durften uns auf eine anschließende Woche Urlaub freuen.

Fazit:

Die erste Alpenüberquerung ist auf jeden Fall ein Erlebnis an das man sich ein Leben lang erinnert. Wir haben uns für unser erstes Mal für eine selbst geplante Tour entschieden und ich glaube, ich würde es nochmals so machen. Sicher, ein erfahrener Alpenüberquerer wird sagen, ein paar Kilometer mehr, einige Gipfel und Höhenmeter oder spannende Abfahrten hätte man noch in die Route packen können. Aber das wichtigste bei einem Abenteuer wie diesem ist, dass Spaß dabei ist. Deshalb sollte man sich und die eigenen körperlichen Fähigkeiten bei der Planung auf keinen Fall überschätzen und die Ziele im Bereich des Machbaren setzen.

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